Urlaub mit Hindernissen oder Eider und Limfjord in drei Wochen

Veröffentlicht am 05.9.2014

Nur im Allgemeinen alle vier Jahre gewährt mein Arbeitgeber mir so drei Wochen Urlaub am Stück in den Sommerferien. Schon vor Monaten hatten wir beschlossen, diese Zeit für einen Segelurlaub im Limfjord in Dänemark zu nutzen. Ein Törnführer für diese Region wurde schon beizeiten studiert und einige spezielle Ziele für die nähere Betrachtung ins Auge gefasst. Vor anderthalb Monaten ging es dann an die Feinabstimmung. Nach Möglichkeit sollten alle Wünsche respektiert werden. Ute wollte Erholung, Denny Helgoland besichtigen und ich interessierte mich für die Insel Anholt.

Unser Kartenmaterial der westlichen Ostsee -14 Jahre alt- und seit dem nur sporadisch ein gebessert, würde für so einen Törn seinen Zweck kaum erfüllen. Also wurden einschlägige Kataloge gewälzt und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Anbieter gegeneinander bewertet. Nach 14 Jahren farbenfreundlicher Gestaltung der Sportbootkartensätze von Delius Klasing entschied ich mich für den meines Erachtens nach höheren Informationsgehalt der Sportbootkartensätze des NV-Verlags (Satz 1-4 im Set). Dabei überzeugte vor Allem der jedem Kartensatz beigefügte Hafenlotse. Für den Limfjod selbst wurde jedoch auf den Kartensatz (Satz 6) von Delius Klasing zurückgegriffen.

Um die Nordseeinsel Helgoland zu erreichen, beschloss ich eine Rundreise zu planen. Hier fehlte jetzt  noch der entsprechende Lückenschluss zwischen Nord-Ostsee- Kanal (NV-Verlag) und Sylt (Daelius Klasing). Dazu beschaffte ich mir von einem Segelfreund eine gebrauchte, aber auf dem aktuellsten Stand gehaltene Seekarte D 103 des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Das Studium der Seehandbücher des BSH (Südöstliche Nordsee, Östliche Nordsee, Westliche Ostsee einschl. Kattegat, Belte und Sund) nahm nochmals einige Tage in Anspruch, ehe das Feintuning beginnen konnte. Für die östliche Nordsee stehen im Monat August moderate westliche Winde um 4 Bft zu Buche bei geringer Schauerneigung, also Alles Bestens!

Ab einer Woche vor dem Start wurden die Wetterberichte regelmäßig verfolgt. Denny von Köln aus und ich von Rostock aus! Je näher der Abfahrtstermin rückte, je ungünstiger wurden die Witterungsverhältnisse. Eigentlicher Starttermin sollte Sonntag der 04.8.2014 sein, da Denny und ich am Samstag noch für das Müritzschwimmen gemeldet hatten und der Sohn zusätzlich am Abend noch einen Halbmarathon in Rostock bestreiten wollte. Am Freitag entschieden wir uns dann jedoch für eine Abfahrt noch in der Samstagnacht, um die zu Ende gehende Ostwetterlage zumindest für die erste Etappe noch nutzen zu können. Ute und Denny verbrachten also noch am Freitag Bekleidung und Verpflegung auf das Schiff, um in der Folgenacht keine weitere Zeitverzögerung in Kauf nehmen zu müssen.

Noch von den sportlichen Aktivitäten des Tages gezeichnet, verließen wir den heimatlichen Verein kurz nach Mitternacht. Unter sternenklarem Himmel und bei kaum Wind trieb uns der Flautenschieber nach Warnemünde. Hier begrüßten uns dann 2 Bft aus SO. Ein bischen wenig, aber die Richtung war brauchbar. Unser Kurs führte uns nach Nord-West. In den frühen Morgenstunden bezog sich der Himmel zusehens. Der Witterungswechsel kündigte sich mit stetig näher kommendem Donnergrollen an. Auf der Position 54*16‘1; 011*36‘9 sichteten wir am Morgen unseren ersten Schweinswal, bevor wir umzingelt vom Gewitter und immer wieder heimgesuchten schweren Schauerböen  fast nichts mehr sahen. Der Wind hatte ebenfalls zugelegt und uns zu einer Geschwindigkeit von gut 5 kn verholfen. Er drehte allerdings mehr und mehr auf eine westliche Richtung. Um das leichte Stimmungstief von Ute und Marie, die sich unter Deck im Trockenen aufhielten, aufzubessern kam der Motor erneut zum Einsatz und trieb ums durch die Fehmarnsundbrücke. Marie betrachtete die Brücke mit Bangen, zeigte sich nach der Passage aber erleichtert über die Luft, welche noch zwischen Mastspitze und Brücke war. Der erste Halt erfolgte darauf gegen Mittag in Heiligenhafen. Wir besuchten den Ort, aßen Eis und besorgten uns einen Kescher für die vielen zukünftig zu fangenden Fische. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass wir auf diesem Törn Fische nur in Gaststätten auf den Tellern sehen würden, nicht jedoch an unseren Angeln. An diesem eher freundlichen Abend stellt Ute fest, wie sehr uns doch ein Cokpit-Tisch fehlt.

Der Folgetag begann mit bewölktem Himmel und um 4 Bft Wind aus Nordwestlicher Richtung. Denny hatte, wie auf dieser Seite bereits erwähnt, seinen Sportküstenschifferschein im Vorjahr gemacht. An diesem Tag übernahm er von Anbeginn das Ruder. Ute hatte sich ihre Strickarbeit vorgenommen, Marie ging ihrer, wie wir bald feststellen sollten Lieblingsbeschäftigung nach: Schlafen! Und ich Relaxe! Wir kreuzen in die Kieler Bucht auf und gehen am Abend in der Marina Kiel-Stickenhörn an die Leine. Die Bedingungen sind hier nicht so abgöttisch. Einen Zugang zum Sanitärtrakt bekommt man erst nach Kauf des Codeschlüssels in einem Hotel. Wir verzichteten und nutzten die bordeigenen Reserven. Und während Ute mit Marie shoppen ging, besorgten Denny und ich den Abwasch.

Vor 4 Jahren war Denny bereits bei der Überführung unseres Schiffes von Frankreich nach Deutschland dabei. Damals unser letzter Halt war vor Rendsburg der Büdelsdofer Yachtclub. Die ruhige Atmosphäre seiner Zeit wollten wir nochmals genießen und eröffneten Ute nach ihrem Zurückkehren unseren Entschluss. Am folgenden Vormittag wurden wir in Kiel-Holtenau in den Nord-Ostsee Kanal eingeschleust. Aus baulichen Gründen ist das Schleusen gegenwärtig nur in den großen Kammern möglich und so mussten wir Sportboote uns die Kammer mit der Berufsschifffahrt teilen. Nach Verlassen ließen wir der „Annegret“ dann auch großzügig die Vorfahrt. Der NOK wurde mit seinen fast 100 km Länge bereits 1886 gebaut und in eine reizvolle Landschaft gebettet. Man fährt vorbei an kleinen Wäldern abgelöst von Feldern und kleineren Orten. Regelmäßig unterquert man Brücken oder passiert Kanalfähren. Der komplette Kanal wird von Fahrwegen am Ufer gesäumt und so winken uns oftmals Radwanderer zu. In Büdelsdorf lädt eine nette Eisdiele zum Verweilen ein, die Versorgungsmöglichkeiten hier sind üppig und wir decken uns für den Abend mit Grillfleisch ein.

Am Steg konnte ich dann auch viele nützliche Informationen für unsere nächste Etappe auf der Eider einholen. Für unseren Tiefgang (1,70 m) hätten wir bis Friedrichstadt keine Schwierigkeiten. Die Wassertiefe beläuft sich auf 2,40 m und mehr. Ab der Schleuse Nordfeld sollte jedoch die Tide beachtet werden. Ankermöglichkeiten gebe es Zahlreiche und fast jedes Dorf hätte seinen Anleger. Soviel zu den Aussagen des SHB und der Yachties!

Am nächsten Morgen erwartete uns herrlicher Sonnenschein. Über die Richtpeilungen verließen wir gut gelaunt Büdelsdorf, als mein Handy klingelte! Olaf unser Vereinsvorsitzender fragte  nach der Rückkehr zum Verein, da unser Auto für Planierarbeiten im Wege stände. Zweieinhalb Wochen! Die Antwort befriedigte ihn nicht. Er schlug vor, ihm den Schlüssel zu zusenden. Also 180*-Wende und zurück bis Rendsburg.  Die nächste Post war unser Ziel. Dann der zweite Start mit einstündiger Verspätung! Wir ahnten noch nicht, dass diese kleine Episode der Beginn einer Reihe von Missgeschicken werden sollte.

Der zweite Teil des NOK begann mit der Passage des Baudenkmals Rendsburger Schwebefähre und endete  nach dreieinhalb Stunden im Gieslaukanal vor der gleichnamigen Schleuse: Mittagspause von 12:00-14:00 Uhr! Die Schleusen auf der Eider sind bis auf die am Eidersperrwerk in privater Hand. Also jedes Mal knapp 5,00 € löhnen! Hinter Lexfähre finden wir eine übersichtliche Flussbiegung. Perfekt zum Ankern! Das Schiff wurde nahe ans Ufer gesteuert und  Bug- und Heckanker hielten es auf 1,90 m Wassertiefe auf Position. Der Planet von Oben ließ unsere Hüllen fallen und uns in diese (braune verfärbte) Eider springen. Selbst Marie traute sich zu, sich ein  paar Meter von der Badeleiter zu entfernen. Ich schwamm ums Schiff und reinigte den Wasserpass und wir machten das Schlauchboot klar, testeten den AB und Ute fuhr die erste gerade direkt ins Schilf, da die Steuerung noch verriegelt war. Während Denny und ich diesen Ausflug an Bord sitzend durchaus erheiternd fanden, konnten sich Ute und Marie überhaupt nicht an der Situation begeistern. Nach dem Lösen der Sperre kehrte die gute Laune aber auch bei den Beiden zurück.

Am Abend leerten wir bei unserer zur Regelmäßigkeit gewordenen Partie Scrabble eine Flasche lieblichen Weins. Denny und ich begaben uns nochmals an Deck um die laue Nacht zu genießen- als sie kam… . Eine Mücke surrte mir ums Ohr und mit einer unbedachten Handbewegung schlug ich Mücke und Gleitsichtbrille in die Flucht. Den Einschlag der Brille auf der Wasserfläche registrierte ich noch. Also wieder raus aus den Sachen und rein in die Eider. Ohne Sicht tastete ich den Boden Stück für Stück ab. Nach 20 min brach ich die Suche resigniert ab. Ein unruhiger Schlaf folgte. Sollten wir deshalb unseren Törn abbrechen?

Denny hatte am nächsten Morgen die wohl rettende Idee! Er  checkte das Internet per Handy und fand den nächsten Optiker in Friedrichstadt. Aber wie lange würde uns dieses Missgeschick aufhalten? Nach 9:00 Uhr und wieder mit Netz rief ich die Optikerin an. Ich hatte die Brillenwerte an Bord und erkundigte mich vorsichtig, wie lange die Herstellung einer wenigstens Fernbrille dauere. Beim späteren Rückruf erfuhr ich, dass die Gläser am Folgetag vor Ort sein würden und die Herstellung etwa zwei Stunden in Anspruch nähmen. Ich versicherte, dass wir am Folgetag in Friedrichstadt wären.

Da dieser Tag nur trübe und verregnet war, verspürten wir wenig Lust auf eine zweite Ankernacht. Wir passierten die Straßenbrücke von Pahlen und vier Stunden später die Schleuse Nordfeld. In der Schleuse fest, begab ich mich zum Bezahlen an Land und gewahrte hinter der Schleuse: Wasser weg! Der Wärter beruhigte mich aber und teilte mir mit, dass ein Befahren bis Friedrichstadt unbedenklich wäre. Ich müsste nur im Fahrwasser bleiben und vor der Schleuse Friedrichstadt weit genug ausholen. Was immer das Heißen mag! Nach der nächsten Flussbiegung gewahrten wir die Schleuse. Ich fuhr einen großen Bogen nach Steuerbord . Ich holte weit aus! Mit einem Ruck stand das Schiff! Alles klar, nicht weit genug ausgeholt! Maschine rückwärts und beim zweiten Versuch schon fast im Schilf auf Backbord hatten wir genügend Wasser unter dem Kiel.

In der Friedrichstädter Schleuse wird grundsätzlich doppelt gezahlt, da es hier wie in einem Sackbahnhof zugeht. Es gibt nur diesen wasserseitigen Zugang zur Stadt und dem kleinen Fluss Teene. Da unsere Ankunftszeit noch am Nachmittag lag, nutzten wir einen ersten Besuch des Zentrums für die persönliche Vorstellung bei der Optikerin. Der Rahmen wurde ausgesucht und die Fertigstellung für den Folgetag geplant. Am Abend wurde die neue Backform für ein Brotbackexperiment genutzt. Fazit: Geschmacklich sehr gut, allerdings von der Konsistenz hätte es noch etwas Zeit in der Röhre verbringen sollen. Bereits am frühen Vormittag erhielt ich den Anruf zur fertig gestellten Brille.

Wir machten uns gemeinschaftlich auf den Weg zur Abholung. Nur 24 Stunden vom ersten Kontakt bis zur fertigen Brille. Das schafft kein Fielmann! Deshalb in diesem Rahmen ein großes Dankeschön an die Optikerin Frau Ingrid Grienig. Hier hat Alles gestimmt: Leistung und Qualität! Nach dem Besuch eines Restaurants schifften wir uns für eine Grachtenfahrt ein. Wir erfuhren viel über die Stadtgeschichte und die Gegenwart von Friedrichstadt.  Am Abend spielen wir mit Marie Federball und Denny macht Bilder von der Landschaft hinter dem Deich.

Den zweiten Hafentag beginnen wir mit einem kleinen Ständchen. Marie hatte ihren elften Geburtstag. Ute hatte bereits aus der Heimat die Geschenke mitgebracht und wir sahen ein paar glückliche Kinderaugen. Der Lerncomputer wurde mit einer Ersteinweisung von Denny sofort in Betrieb genommen. Später fuhren wir mit dem Taxi nach Tönning und besuchten das „Multimar“. Eine interessante Ausstellung über das Leben am Watt und in der Marsch. In den Aquarien tummeln sich viele in der Eider und nahen Nordsee vorkommende Fischarten. Unser besonderes Interesse galt hier den Exponaten und Abhandlungen über den uns bekannten und in der Ostsee leider nur selten anzutreffenden Schweinswal. Bei einem Fischbrötchen am Hafen wetterten wir einen schweren Regenguss ab, ehe wir mit dem Zug zurück nach Friedrichstadt fuhren und ließen uns an Bord einen kleinen Geburtstagskuchen schmecken. Der regelmäßige Wetterbericht ließ uns noch eine weitere Nacht im Hafen schmoren.

Für den Sonntag hatten wir uns telefonisch für die Zeit des Morgenhochwassers an der Schleuse angemeldet und die Öffnungszeiten für die Eisenbahnbrücke erfragt. An der folgenden Straßenbrücke riefen wir die Bereitschaft und warteten ein halbes Stündchen, bis die Familie des Wärters im Rahmen des Morgenspazierganges uns die Brücke öffnete. Der Wind frischte mehr und mehr auf und wir erwarteten die angesagten 6 Bft. Stellenweise verengte sich das Fahrwasser der Eider bis auf unter 60 m Breite, die Pricken waren jedoch stets gut gestellt, so dass wir bei unserer Hochwasserfahrt kaum kritische Tiefen sahen. Die Untiefentonnen waren da schon schwieriger zu deuten. Wir fuhren auf der Steuerbordseite nahe des Ufers auf 6 m Tiefe und gewahrten die Osttonne voraus.  Ja galt sie nun für die rechte oder linke Uferseite!? Na die 6 m stimmten uns für die rechte Seite ein. Innerhalb von Sekunden waren aus sechs nur noch ein Meter geworden und wir saßen fest. Der Schlick ließ uns bei rückwärts laufender Maschine jedoch sofort wieder frei. Also Tonne auf der linken Seite passiert! Weitere Grundberührungen auf der Eider blieben uns dann allerdings erspart.

Die Schleuse am Eidersperrwerk bereiteten wir wieder telefonisch auf unsere Ankunft vor. Das Schleusentor war offen und zahlreiche Schaulustige auf dem Sperrwerk beobachteten unsere mühevolle Arbeit in Sachen Befestigung an der Kammerwand. Der Wind hatte einen Spielball gefunden. Erst der zweite Anlauf gelang! Die Nordsee begrüßte uns mit 6 Bft aus Westsüdwest und zwei Meter Welle. Bereits im Vorfeld hatten wir uns aufgrund der Zeitverluste in Friedrichstadt und der herrschenden Windrichtung von Dennys Projekt Helgoland verabschiedet und als nächsten Etappenort Amrum auserkoren. Wir segelten bei Raumem Wind in nördliche Richtung. Eine Anfrage beim Wittdüner Segelclub versicherte uns Platz im Yachthafen und dass ein Anlaufen dieses Hafens auch bei Niedrigwasser möglich sein sollte. Die Fahrrinne sollte laut Karte und Handbuch die Mindesttiefe von 2,00 m nicht unterschreiten. Trotz einer Fahrt von bis zu 8 kn würden wir  Amrum nach unserer Berechnung auch erst gegen 19:00 Uhr erreichen. Wir hatten ins Großsegel zwei Reffs gesteckt-und hätten nie gedacht, dass wir sie erst zwei Wochen später wieder ausreffen würden.

An der Ansteuerungstonne Wittdün ließen wir der Fähre von Föhr die Vorfahrt. Wir folgten ihr mit nur noch 4-5 kn Fahrt über Grund. Der Gegenstrom setze mit gut 2 kn. Am Fähranleger ließen wir zur anlegenden Fähre etwa 20 m Abstand. Das war zuviel, wir saßen fest! Wir schafften noch, den Bug in Richtung der Fähre zu drehen, aber das wars dann auch. Der Strom würde erst in zwei Stunden kippen. Die Fähre aber in einer knappen halben Stunde ablegen. Nach einem unendlichen Moment der Ratlosigkeit und mehreren Befreiungsversuchen sprach ich die „Ranghold“ über Funkkanal 16 an. Aber entweder war der Kapitän anderweitig beschäftigt oder er hatte solche Greenhoorns wie wir schon zur Genüge kennengelernt. Er antwortete nicht! Sollten wir warten bis das Schiff ablegte? Wieviel Platz würde es brauchen? Würden wir zu einem Verkehrshindernis werden? Das waren zu viele Fragen um tatenlos zu verharren!

Ich informierte Bremen Rescue von unserer Lage! Auf die Frage der freundlichen Stimme nach unserem CallSign blieb mir erst einmal die Sprache weg. Ich wusste es nicht! Aber zumindest wusste ich wo es steht! Nach reichlichem Kramen fand ich die Zulassungsurkunde und konnte die Fragen nach CallSign und Anzahl der Personen an Bord sicher beantworten. Bremen Rescue teilte uns mit, dass sich der Seenotrettungskreuzer „Vormann Leiss“ mit uns in Verbindung setzen würde. Nur eine Minute später kam der Anruf mit dem Vorschlag: Kanalwechsel 10. Das Tochterboot der „Vormann Leiss“ würde in 10 Minuten bei uns sein. Sie nahmen uns auf den Haken und nach zehn Metern in Richtung Fähranleger, welcher von der „Ranghold“ inzwischen ohne uns zu beachten, verlassen worden war, hatten wir wieder tiefes Wasser. Die Seenotretter lotsten uns bei der zunehmenden Dunkelheit sicher in den Hafen. Unser Echolot zeigte als geringste Tiefe im Fahrwasser 2,30 m an!

Im Hafen drehten wir auf einen freien Liegeplatz am Schwimmsteg- und saßen erneut fest. Vom Steg wies man uns darauf einen Liegeplatz direkt neben dem Seenotrettungskreuzer an, aber beim Versuch diesen Platz zu erreichen liefen wir erneut auf Grund. Jetzt warf ich das Handtuch und nahm das Anraten der Seenotretter zum vorübergehenden Festmachen am Tonnenleger „Amrumbank“ an. Ich klärte die Formalitäten und wir aßen zu Abend. Nur zwei Stunden später verholten wir uns bei inzwischen ausreichendem Wasserstand im Hafenbecken an den freien Platz des ersten Versuchs. Im Schnack mit den Vormann Leiss-Leuten erfuhren wir, dass an diesem Tag ein extremes Niedrigwasser war und sie selbst grundsätzlich bordnah die Fähren passieren. Zudem fehlten gegenwärtig im Anlegerbereich einige Pricken für die Fahrwassermarkierung. Und makaber: „In Wittdün läuft man bei genügend Wasser seinen Liegeplatz an und gräbt sich mit dem eigenen Kiel den Liegeplatz frei!“ Na wir hatten bei der nächsten Ebbe tatsächlich das Gefühl richtig schön im Modder zu stehen, zumal die Lieger auf der anderen Seite des Schwimmsteges ständig trocken fielen.

Unser Barometer ist in den letzten 24 Stunden um 12 bar gefallen und auch der Wetterbericht „lud“ zu einem erneuten Hafentag ein. Abgesehen vom Wind, wurde es ein ansprechender Tag. Wir erkundeten die Insel mit der Inselbahn und stellten fest, dass man sich hier durchaus einmal etwas länger aufhalten könnte. Ute und Denny gingen am Abend nochmals zur Fotosession in die Dünen. Den Moment, als der Himmel seine Schleusen öffnete, passten sie voll ab. Beide mussten auf dem Schiff erst einmal Trocken gelegt werden.

In der Nacht tobte ein heftiges Gewitter  und ein schwerer Schauer löste den Nächsten ab. Kurzzeitig zierte eine fast 5 cm dicke Hagelschicht das Deck. Da der Wetterbericht am Abend noch von nachlassender Schauertätigkeit bei aber immer noch 6 Bft Wind sprach, entschlossen wir uns zur Hochwasserzeit unserer Reise fortzusetzen. Noch vor dem Kippen des Stromes steuerten wir das Schiff in Richtung Ansteuerungstonne Wittdün. Ab dieser Tonne ging es in dem Fahrwasser durch das Wattenmeer gegenan mit zuerst unter 3 kn Fahrt. Der Windmesser präsentierte uns Windspitzen von 40 kn und die Welle war bereits bei 2 m Höhe. Zusehens nahm jedoch die Geschwindigkeit über Grund zu. Der Strom war gekippt und gab uns nun 2-3 kn zusätzlich Fahrt.

Nach dem Verlassen des Rütergat setzten wir das Groß mit zwei Reffs ohne Vorsegel. Der Wind aus SW schob jetzt gewaltig. Die Fahrt war nur selten unter 7,5 kn. Als es dunkelte, ließ ich mich von Ute und Denny ablösen und legte mich Mitschiffs in die fertig gemachte Schlingerkoje. Ich hatte gut geschlafen, als mich ein gewaltiges Krachen weckte und gleichzeitig Ute’s Ruf: sie könne das Steuer nicht mehr halten. Ich stürzte an Deck, übernahm das Ruder und sah wie der Windmesser langsam wieder Werte unter 40 kn zeigte. Der Boenwalze folgte dann ein heftiger Regenschauer. Denny hatte Marie bisher gehalten. Jetzt schickte ich Ute und Marie unter Deck. Denny und ich leinten uns an und lösten uns am Ruder die Nacht durch ab. Während Marie in der Schlingerkoje überraschend gut schlief, hielt es Ute vor Sorge um uns nicht in der Koje. Wenn es lauter an Deck wurde oder wir gerade wieder einen 11-12 kn Surf auf der gut 3 m hohen Welle hinlegten erschien sie besorgt im Niedergang und fragte, ob wir noch in Ordnung seien oder versorgte uns mit Essen und Trinken. Wie sie später gestand, hatte sie kaum noch Hoffnung heil wieder das Land zu erreichen.

Am Morgen zogen die Gewitter langsam ab und der Wind pegelte sich um 22 kn ein. Die kabbelige See und immer wieder Schauer lassen uns viel Wasser übernehmen. Das Ölzeug war ebenfalls an seine Qualitätsgrenze geraten. Wir waren patschnass, buchstäblich bis auf die Haut. Auch am Tage hielten Denny und ich unseren Ruderwechsel aufrecht und ab dem Nachmittag fuhren wir parallel der jütländischen Küste. Die zahlreichen Bunker am Strand erinnerten uns an den Film „Die Olsenbande fährt nach Jütland“. Am Abend erreichten wir mit Thyboron den westlichen Ausgang des Limfjordes. Thyboron ist noch ein echtes Fischerdorf. Wenn man die Flotte im Hafen und die angrenzende Industrie betrachtet, möchte man meinen 90% der Bevölkerung dieses Ortes leben vom Fischfang. Am Hafen sind allein vier Fischgaststätten. Es gibt wie wir uns belesen hatten auch eine große Fischauktionshalle im Ort. Wir zapften erst einmal Strom, spannten im Salon Leinen, um die Wäsche zu trocknen und begaben uns in eines der Restaurants zu Scholle & Co. Im Anschluss ging es früh zu Bett, um das Schlafdefizit zu neutralisieren. Die doch schon recht zahlreichen Motorlaufstunden veranlassten uns, nach einer Marina mit Tankmöglichkeit zu suchen. In Thyboron wäre im Fischereihafen eine Möglichkeit gewesen, aber die Formalitäten waren schlecht zu überschauen. Die Wahl fiel auf den 25 sm entfernten Ort Struer!

Wir starteten an diesem Tage erst sehr spät. Gegen Mittag verließen wir Thyboron, jedoch nicht ohne noch ein paar fotografische Impressionen festgehalten zu haben. Vor dem Brückenschlag über den Limfjord setzten wir für den Wunsch der Durchfahrt die Signalflagge „M“. Für den weiteren Verlauf nutzten wir vorwiegend den Motor, um dem Fahrwasser sicher folgen zu können. Vor Thyboron hatten wir unsere Multirolle am Heckkorb zur Schleppangel umfunktioniert. Ute riet uns, sie vor dem Anlegen abzubauen, ich winkte jedoch ab. Hätte ich geahnt, dass uns der Seitenwind beim Anlegen so zusetzen würde, hätte ich sie vorher abgebaut. Nun hatte das der Achterpfahl übernommen. Im hohen Bogen flog sie davon.

Struer ist eine hübsche Kleinstadt! Ute und ich sondierten den Hafenservice. Ein Ständer mit kostenlosen Fahrrädern erregte unsere Aufmerksamkeit. Wir nahmen uns spontan zwei Räder und fuhren zwecks Waschmittelkauf in die Stadt. Nach unserer Rückkehr zum Schiff griff ich meinen kleinen Werkzeugkoffer und machte zwei weitere Räder einsatzbereit, während Ute und Denny zwei Waschmaschinen beluden. Im Rahmen einer Stadtrundfahrt machten wir bei einem kleinen Oldtimertreffen halt und inspizierten die Dieselzapfsäule. Feine Sache: Selbstbetankung; Kartenzahlung möglich-Nutzten wir dann auch am nächsten Morgen!

Am Abend noch vor unserer abschließenden Scrabblepartie beratschlagten Ute, Denny und ich, wie wir unsere Route weiter gestalten könnten. Denny wollte uns in 5-6 Tagen vor dem Ende der Reise aufgrund einer anderen Verpflichtung verlassen. Insgesamt hatten wir nur noch maximal 9 Tage zur Verfügung. Das hieß, wir mußten durch die nicht nur witterungsbedingten Hafentage in Friedrichstadt und Wittdün bedauerlicherweise unseren Limfjordaufenthalt verkürzen. Um trotz allem noch etwas die Landschaft zu genießen, steuerten wir die „Saphira“ immer wieder von Schauern heimgesucht, durch den Visby Bredning, die Dragstrup Vig und den Vildsund in eine Bucht westlich von Amtoft, welche der Törnführer als ausgezeichnete, geschützte Ankerbucht bei südwestlichen Winden empfahl. Wir hatten an diesem Tage WSW, aber bei unserer Ankunft dort pfiff uns der Wind fast buchstäblich die Hüte vom Kopf. Also machten wir auf der Hacke kehrt und fuhren in den kleinen Hafen von Amtoft.

Von diesem Hafen sprach der Hafenlotse so ungefähr: kein Komfort und keine Versorgungsmöglichkeiten! Nun ja, vielleicht waren die Redakteure in diesem Jahrhundert noch nicht in Amtoft gewesen. Es gab einen kleinen Sanitärtrakt und im Konsum direkt am Hafen ein gutes Angebot an Verpflegung. Im Konsum wurde auch die Hafengebühr entrichtet. Es gab Wasser und Strom, mehr brauchten wir ohnehin nicht. Zudem hatte Marie hier die Möglichkeit unsere Blinker und Pilker zu baden.
Am Morgen hatte der Wind wieder seine gewohnte Stärke von 6 Bft erreicht. Wir fuhren nur mit der Genua mit bis zu 6 kn Fahrt nach Aalborg. Das Fahrwasser verließen wir kaum einmal. Die großen Wasserflächen waren derart flach, dass wir mit unseren 1,70 m Tiefgang unweigerlich auf Grund gelaufen wären. Und in dieser Disziplin hatten wir, wie im Text oben erwähnt, das Maß bereits übererfüllt. In Aalborg hatten wir dann den falschen Steg gewählt. Wir waren noch beim Festmachen , als wir abkassiert wurden. Auf die Frage nach dem WC, wies uns der Kassierer eine Hütte, welche wir sofort aufsuchten. Ein WC gab‘s dort tatsächlich-in mitten einer Rumpelkammer. Wir waren statt im Yachthafen auf der Mathis-Werft gelandet. Eventuell hatte diese Werft einmal bessere Zeiten erlebt, jetzt machte sie einen eher dürftigen Eindruck.

Nichts desto trotz machten wir uns auf den gut 1,5 km langen Weg ins Stadtzentrum. Vielen Häusern sieht man hier die liebevolle Restauration an. Im Boulevard pulsiert das Leben. Viele Bühnen boten an diesem Tage ein buntes Programm. Wir ließen uns in einer Eisdiele das typisch, sahnige, dänische Softeis schmecken. Auf dem Rückweg machten wir noch ein paar Einkäufe. Leider fehlte uns für das Marinemuseum und einen Zoo-Besuch die Zeit. Auch hier stellen Ute und ich fest: Wir müssen noch einmal wiederkommen mit mehr Zeit im Nacken. Noch am Tage hatten wir uns über die frühestmögliche Brückenöffnung informiert. Nach einem zeitigen Frühstück passierten wir gegen 6:40 Uhr die für uns geöffnete Eisenbahnbrücke und kreisten vor der Straßenbrücke. An einem Display lasen wir: nächste Öffnung 7:00 Uhr! Pünktlich setzte sich die Brücke in Bewegung. Nach der Durchfahrt zogen wir die „M“ Flagge und segelten das Fahrwasser mit den reichlichen Richtfeuern vorbei am Industriehafen von Aalborg ab. Hals als östlichen Eingang zum Limfjord ließen wir Backbord und segelten mit zwei Reffs im Groß und auf 1/3 gereffter Genua im Kattegat Kurs Anholt.

Es wurde ein schneller Anlieger, aber die schweren Regenschauer ein ums andere Mal sorgten dafür, dass alle quatternass waren und die Stimmung an Bord auf den Tiefpunkt sank. Auf Anholt sorgte der extreme Winddruck für unser schwerstes Anlegemanöver der ganzen Tour. Denny schaffte es beim wohl dritten Versuch uns achtern an der Muringboje anzuleinen, musste dann aber doch noch ins Wasser um die Hilfsleine wieder zu lösen. Für die Strapazen des Tages belohnten wir alle uns am Abend in einem Fischrestaurant mit einem pompösen Essen. Ich versuchte mich erstmals am Hummerkrebs knacken. Das Fazit: Geschmacklich super, aber ein arbeits- und zeitaufwändiges Essen. In der Nacht arbeitete unsere kleine Heizung wieder auf Hochtouren, um die Bekleidung bis zum Morgen zu trocknen. Als Makel in diesem Hafen sahen wir die Löhnung jeder einzelnen verbrauchten Kilowattstunde Strom. Bisher hatten wir immer Pauschalen gezahlt.

Am Vormittag verließen wir Anholt bei gut 7 Bft aus der gewohnten südwestlichen Richtung. Bereits nach einer Stunde hatten wir es mit Windspitzen um 42 kn zutun. Wir nahmen den Motor zur Hilfe und bauten auf am Wind Kurs erstmals das dritte Reff in das Großsegel. Die Genua war auf Sturmfockgröße geschrumpft, als wir wieder auf Kurs waren. Wir machten gut und gerne um die 7 kn Fahrt, aber es wurde vor allem ein Kampf gegen die Wellen mit über 3 m Höhe, welche das Schiff laufend von der Seite trafen. Am Nachnittag wurden wir teilweise entlastet. Der Wind ließ nach und pegelte sich auf 25 kn ein. Wir nahmen das dritte Reff, dann schon in Sichtweite des Öresunds wieder raus und erreichten noch bei guter Sicht vor 21:00 Uhr Kopenhagen. Die auserkorene Marina stellte sich als hoffnungslos überfüllt dar. Wir fanden echt nur einen einzigen freien Liegeplatz in der hintersten Ecke und leinten uns dort natürlich sofort an. Ute bereitete noch ein warmes Essen und wir fielen regelrecht vor Erschöpfung in die Kojen. Die Anstrengungen der vergangenen Tage, ja und Wochen machten auch vor dem Material nicht Halt. Wir hatten einen Bolzen für einen Mastliekbeschschlag verloren und ein Draht des Backbordunterwants war gebrochen und hatte sich teilweise abgerödelt. Im Schiff registrierte Ute Feuchtigkeit in den Achterkojen, konnte aber die Ursache auch bei intensiver Suche nicht ergründen. Würde dann wohl ein Fall für zu Hause werden!

Am Vormittag darauf fahren wir mit der S-Bahn in die Stadt. Denny bucht für den Folgetag eine Busfahrt nach Rostock und gemeinsam unternahmen wir eine Stadtrundfahrt. Leider verpassten wir die Wachablösung am Königshaus um 12:00 Uhr. Das wäre wohl etwas für Marie gewesen. Ute, Denny und ich hatten das Schauspiel bereits bei einem früheren Aufenthalt in Kopenhagen einmal erlebt. Der Besuch des Wachsfigurenkabinetts musste auch gestrichen werden, da es für lange Zeit geschlossen bleiben soll. Auf dem Weg zum Schiff kehren wir in einen Marineshop ein und erwerben einen neuen passenden Bolzen. Er wurde ersetzt und der defekte Draht abgeschnitten um das Vorsegel nicht zu verletzen.
Unsere Weiterfahrt verzögerten wir um einige Minuten um Denny die Zeit bis zur Abfahrt seines Busses zu verkürzen. Er löste unsere Vorleinen begab sich zur S-Bahnhaltestelle, während wir nun nur noch zu dritt unsere Fahrt in Richtung Heimat allein fortsetzten.

Die Fahrt nach Rödvig forderte uns dann auch wieder alles ab. Die Windstärke erreichte erneut bis 8 Bft. Amwind ließen sich viele Wellen nicht sauber aussteuern und wir wurden mehrfach nass. Denny hatte uns sein ePad an Bord gelassen um das weitere Mitplotten zu ermöglichen. Auf halber Distanz war es dann jedoch ausgefallen. Wir hatten den Stromverbrauch bei ständig aktivem Bildschirm nicht einkalkuliert. In Rödvig fuhren wir ein perfektes Anlegemanöver auch dank der Hilfe eines Lübecker Seglerpaares am Steg. Ute und ich ließen dann den Abend in einer Pizzeria ausklingen.
Am nächsten Morgen fahren wir bei moderaten 4-5 Bft am Wind durch die Faxebucht zur Ansteuerungstonne für den Bögestrom. Für das schmale, aber gut betonnte Fahrwasser wurden wir wieder zum Motorschiff. Ute übernahm das Ruder und ich mit der Karte in der Hand die Lotsenfunktion. Gegen 13:00 Uhr passieren wir die Erste unserer drei Brücken auf dem Weg nach Stubbeköbing. Die Höhe von 26 m war für unser Schiff kein Problem. Die zweite Brücke schlug nur mit 20 Metern zu Buche und veranlasste uns noch einmal unsere genaue Höhe nachzuschlagen. Aber auch hier ließen unsere 16,30 m über Meeresspiegel + 1 m Antenne noch Luft nach oben. Diese extralange Brücke verbindet Falster und Sjelland und überbrückt die Insel Farö, welche wir umfahren mussten. Also eine Seite durch, puzzeln zwischen zahlreichen Fischernetzen und andere Seite einbiegend in den Storestrom durch die großen Bögen der Brücke zurück bis Stubbeköbing.

Da der Hafenlotse für den separaten Yachthafen nur Boxenbreiten bis drei Meter aussagte, fuhren wir in den Industriehafen. Hier lagen schon einige größere Schiffe und auf Doppelpack hatten wir nun gar keine Lust. Also doch der Versuch Yachthafen. Und siehe da, es gab einige breitere Boxen. Der Hafenmeister darauf angesprochen, teilte uns mit, wir hätten veraltetes Material und sie hätten in jüngster Zeit einige Änderungen getätigt und man würde den Yachthafen demnächst auch ausbaggern um tiefer gehenden Schiffen das Anlegen zu ermöglichen. Der uns folgende Nachbar mit seinen 2,10 m Tiefgang schob sich mit Gewalt und ordentlich Maschinenpower in die Box.
Ab diesem Tage hatte der Plotter wieder tadellos gearbeitet.

Mit den Winden der letzten Tage hatten nicht nur wir zu kämpfen, einen Yachtie hatte es wie man sieht noch ärger getroffen. Von Stubbeköbing fahren wir mit nur einem! Reff und Genua noch bis durch das Fahrwasser auf die freie Ostsee. Hier nötigen uns die 5-6 Bft dann wieder das zweite Reff auf. Später musste dann auch das dritte Reff wieder eingebaut werden.
Gegen den Wind aus Süd kreuzten wir bis kurz vor Gedser auf. Schön, dass wir auf diesem Abschnitt einen Sparringspartner hatten. Eine 39 ft Yacht aus Hamburg war auf Ausbildungstörn ebenfalls mit Ziel Gedser unterwegs. Bis zu unserem „Handtuchwurf“ (Motor an) hatten wir vom ersten Treffen (die Yacht war gut 500 m voraus) dem Schiff fast 2 sm abgenommen. Und dass die Crew durchaus ehrgeizig war, was unsere Gegenwart anging, erfuhr ich nach der späteren Ankunft dieses Schiffes ebenfalls in der Gedser-Marina. Dabei hatten wir dieses Match eher locker genommen. Während ich segelte, nähte Ute unsere gerissene Leinentasche bei immerhin 1-2 m Welle.

Für unsere letzte Etappe wurde noch in Gedser das dritte Reff sauber eingebunden und die Sturmfock gesetzt. Dazu ist unser Schiff mit einem installierbaren Babystag ausgerüstet. Wir wollten absichtlich mit „angezogener Handbremse“ fahren, denn unserem Backbord-Unterwant war auf der Amwindbolzerei am Vortag ein zweiter Draht gebrochen. Jetzt wollten wir nur noch Mast und Schiff heil nach Hause fahren. Schon im Gedser-Fahrwasser war uns klar, dass wir völlig untertakelt waren. Nur 2-3 kn Fahrt! Also wurde das dritte Reff wieder ausgebaut und ab ging‘s mit 6-7 kn. Der Wind drehte leicht auf Südwest und fabrizierte uns so einen sauberen Anlieger bis Warnemünde.

Mit der Backbordlage entlasteten wir auf diese Weise auch das defekte Unterwant. Warnemünde begrüßte uns schon aus einigen Meilen mit Musik von einer Strandpartie und drei Kreuzlinern am Passagierkai. Um eine halbwegs ordentliche Figur abzugeben, nahmen wir noch vor der Mole die Sturmfock weg, refften das Großsegel ganz aus und lüfteten oder besser entspannten die Genua.

Die letzte Auswertung des Plotters bescheinigte uns dann einen Törn von 826,2 Seemeilen, von denen wir 656,5 nm gemeinsam mit Denny zurück gelegt hatten. Wie auch der Blick auf die Route in der Karte zeigt, war es eher eine sportliche Herausforderung, als der von Ute erträumte, erholsame Urlaubstörn.
Aber eine Erinnerung bleibt diese Fahrt dank der zahlreichen Starkwindtage allemal.

Bildschirmfoto 2014-09-04 um 23.05.40

https://mapsengine.google.com/map/edit?mid=zQOUIsUNl-YQ.kC0dIV73JIQU


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